6 Schritte für deine finanzielle Zukunft

In diesem Artikel möchte ich dich ein bisschen an die Hand nehmen und dir aufzeigen wie man seine finanzielle Zukunft plant und schrittweise umsetzt. Wir alle haben Ziele oder Träume, die wir erreichen möchten. Für die einen ist es wichtig fürs Alter zu sparen oder ein Haus zu bauen. Wiederrum andere möchten die Welt bereisen oder ein schnelles Auto fahren. Um diese Ziele erreichen zu können, müssen wir sparen. Aber sparen ist viel mehr als der heutige Verzicht. Sparen ist eine Investition in die wichtigste Person deines Lebens – in dich selbst!  Du lässt dich nicht von kurzfristen Konsum blenden, sondern weißt was dir wirklich wichtig ist. Hier möchte ich dir meine 6 Schritte für eine selbstbestimmte finanzielle Zukunft vorstellen.

1. Bestandsaufnahme / Inventur deiner Finanzen

Haushaltsbuch führenBevor wir uns einen Finanzplan erarbeiten können, müssen wir eine Bestandsaufnahme machen. Zunächst müssen all deine Einnahmen und Ausgaben erfasst werden. Die Bürokraten und Excel-Liebhaber werden sich freuen, es geht um das sogenannte Haushaltsbuch. Bei vielen unbeliebt, da es Arbeit macht und häufig den Leuten vor Augen führt wie leichtsinnig sie mit Geld umgehen. Ein Haushaltsbuch ist dennoch unabdingbar, denn nur wer weiß was er einnimmt und was am Monatsende übrigbleibt, kann nachhaltig für die Zukunft Geld zurücklegen.

Was muss man beim Haushaltsbuch beachten?

Je nachdem wie es dir gefällt kannst du das Haushaltsbuch als App auf deinem Smartphone, als Exceltabelle oder als gutes altes Buch führen. Es liegt ganz bei dir wie du es machen möchtest. Wichtig ist nur, dass du auch wirklich alle Ausgaben einträgst, wenn sie anfallen.  Hast du dich für ein analoges Buch entschieden, so musst du dir alle Ausgaben merken bzw. aufschreiben damit du sie ins Buch eintragen sobald zu Hause ist. Benutzt du eine App oder Excel kannst du alle Ausgaben sofort unterwegs eintragen. Vergiss bitte nicht auch alle jährlichen Ausgaben einzutragen. Diese solltest sie auf die monatlichen Kosten runterbrechen, indem du die jährlichen Kosten einfach durch 12 teilst. Es ist dir überlassen wie sehr du beim Eintragen deiner Kosten ins Detail gehst. Du kannst zum Beispiel unterscheiden zwischen Konsum-, Kfz- und Haushaltsausgaben oder noch feinporiger unterscheiden.

Wichtig: Je mehr Rubriken du hast, desto aufwendiger wird das Eintragen natürlich. Deshalb rate ich dir: „Keep it as simple as possible”.  Also verzichte auf unnötige Cent-Angaben und runde einfach auf/ab. Du musst dich beim Führen des Haushaltsplans wohlfühlen, denn Durchhalten hat höchste Priorität. Damit du mit deinem Haushaltsbuch verlässliche Aussagen über deine durchschnittlichen Ausgaben treffen kannst, solltest du das mindestens 4 Monate durchziehen.

Was nutze ich und wie gehe ich vor?

Ich habe mich für Excel als Tool entschieden. Es gibt online diverse Vorlagen und man kann seine Ausgaben zuhause und unterwegs eintragen (manchmal bin ich noch altmodisch und trage den Kassenbon bis nach Hause um dort alles einzutragen). So kann ich meine Ausgaben immer auf den aktuellen Stand halten ohne mehr als 3 Minuten pro Tag zu investieren. Hier findest du mein Haushaltsbuch als Vorlage.

Was ist weiterhin wichtig?

Zu einer ausführlichen Bestandsaufnahme gehört auch das Erfassen von bereits bestehenden Versicherungen, Vorsorgeprodukten (Rentenversicherungen, Riester, Rürup etc. ), Kredite und sonstigen wiederkehrenden Ausgaben wie z.B. Zeitungsabos, Netflix, Mitgliedschaften, etc.

2. Budget planen und ausmisten

6 Schritte - Budget PlanungSobald alle Zahlungsflüsse ausreichend dokumentiert sind, schaue dir deine Ausgaben genauer an. Wo liegt Einsparpotential vor? Gibst du für Restaurantbesuche monatlich viel Geld aus? Bezahlst du monatlich für einen Service, den du nicht mehr benutzt?

Gibt es Versicherungen, die du nicht mehr benötigst? Sind deine Versicherungen auf dem aktuellen Stand deines Lebens? Hast du sogar Versicherungen, die sich überschneiden? Zum Thema Versicherungen habe ich bereits für dich einen Beitrag vorbereitet.

Wichtig: Falls du bereits Kredite aufgenommen hast, tilge diese zuerst bevor du dich um die Geldanlage kümmerst. Tilgen von Krediten liefert die höchste Rendite bei null Risiko.

Normalerweise wird im Laufe des Monats erstmal das Geld in fremde Hände gegeben (Rechnungen, Verpflichtungen, Konsum, etc.) und am Ende des Monats wird geschaut ob etwas übrig ist zum Sparen. Leider funktioniert das meistens nicht und man lebt von Gehalt zu Gehalt. Wieso bezahlst du dich nicht einfach mal zuerst? Durch deine Budgetplanung weißt du, wieviel du pro Monat sparen kannst. Anstatt bis zum Monatsende zu warten, überweise direkt dein Sparbetrag auf ein anderes Konto. So kannst du es nicht für unnötigen Konsum ausgeben (Aus den Augen, aus dem Sinn). Eine einfache Aufteilung auf die Töpfe ist mit einem Kontensystem möglich. Der Sparbetrag wird nun auf verschiedene Töpfe aufgeteilt, wobei jeder Topf für ein bestimmtes finanzielles Ziel steht. Welcher Anteil in jeden dieser Töpfe reinfließt, ist deine Entscheidungen.

3. Notgroschen / Puffer (Topf Nr. 1) einrichten

6 Schritte - Notgroschen oder NotfallkontoDer Notgroschen-Topf ist der einzige, den ich dir vorgebe, weil er meiner Meinung nach der wichtigste Topf überhaupt ist. Er ist da um unvorhersehbare Kosten abpuffern zu können ohne eine Dispokredit aufnehmen zu müssen. Unvorhersehbare Kosten können entstehen falls dein Auto oder die Waschmaschine mal den Geist aufgibt,  du deinen Job verlierst oder du kündigst um deinen Lebenstraum zu verfolgen. Da du jederzeit die Möglichkeit haben musst auf das Geld zuzugreifen, empfiehlt es sich dafür ein Tagesgeldkonto einzurichten.

Lass dich dabei nicht von den niedrigen Zinsen abschrecken: das Geld ist nicht da um Zinsen zu generieren! Sieh es mal so: Wenn du eine Reparatur durch deine Geldreserve bezahlen kannst ohne in den Dispo zu gehen, dann liefert dir dieses Geld ca. 10% Rendite. Wie kommt das? Ganz einfach, du zahlst keine Dispozinsen!

Wie groß muss diese Reserve sein?

Da gibt es leider keine pauschale Antwort. Ein viel genannter Richtwert liegt bei 3-5 Monatsgehältern. Besitzt du allerdings ein Haus oder eine Wohnung, so sollte deine Reserve größer ausfallen als die eines Mieters.

4. Finanzielle Ziele planen (Fülle deine restlichen Töpfe)

6 Schritte - finanzielle Ziele festlegenNun geht es ans Eingemachte! Hier geht es um deine finanziellen Ziele und deine Lebensplanung. Unser primäres Ziel: Am Ende des Lebens noch Geld übrighaben und nicht am Ende des Geldes noch Leben übrighaben. Das soll natürlich nicht heißen, dass man sich jeden Luxus verkneifen sollte. Denn sind wir mal ehrlich: Man möchte Geld verdienen, um jetzt ein schönes Leben führen zu können und später mal die Option zu haben nicht mehr arbeiten zu müssen (Stichwort: Finanzielle Freiheit).

Leider (oder zum Glück) steckt das Leben voller Überraschungen, die man berücksichtigten sollte um ruhiger schlafen zu können. Der richtige Partner, Hochzeit, Kinder, Auto, Haus kann sehr schnell kommen und dann möchte man finanziell gut aufgestellt sein.

Wie geht man vor?

Überlege dir für was du sparen möchtest. Möchtest du ein neues Smartphone oder einen größeren Fernseher? Sparst du für einen Urlaub mit deiner Familie? Planst du eine Weltreise oder den Kauf eines Hauses? All das können Töpfe sein, die du mit deinem Geld füllst. Als nächstes solltest du deine ausgewählten Töpfe aufgrund ihres Zeithorizontes aufteilen. Unterscheide dabei zwischen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen. Der Zeitpunkt, an dem du die Anschaffung planst, entscheidet über die Art, wie du das Geld anlegst.

Halte dich grob an folgende Vorgaben:

  • Kurzfristige Ziele (bis 2 Jahre Anlagehorizont): Tagesgeld, Festgeld
  • Mittelfristige Ziele (2 bis 10 Jahre Anlagehorizont): Tagesgeld, Festgeld, Anleihen
  • Langfristige Ziele (ab 10 Jahre Anlagehorizont): Aktien, Aktienfonds, ETFs, Anleihen

Warum ist diese Einteilung wichtig?

Je kürzer dein Anlagehorizont, also je früher du dein Geld benötigst, desto risikoarmer sollte die Anlage sein. Weniger Risiko heißt natürlich auch weniger Rendite. Nehmen wir an du hast dein gesamtes Geld in Aktien angelegt und möchtest nun spontan in Urlaub fahren. Das Geld auf deinem Girokonto inklusive deines Notgroschens reicht dafür nicht aus, also müsstest du Aktien verkaufen. Nun gibt es drei Möglichkeiten:

  • Deine Aktien sind heute mehr wert als beim Kauf → Glück gehabt, Gewinn gemacht
  • Deine Aktien haben den gleichen Wert wie beim Kauf → ist ok, kleiner Verlust durch Transaktionskosten
  • Deine Aktien sind weniger wert als beim Kauf → Pech gehabt, Verlust gemacht

Im Vergleich zu Tages- und Festgeld sind Aktien risikoreicher, sprich es kann schnell und steil nach unten gehen. Bist du zu so einem Zeitpunkt in finanzieller Not und musst verkaufen, so realisierst du Verluste. So etwas wollen wir natürlich umgehen!

5. Konto und Depot eröffnen

6 Schritte - Konto und Depot eröffnenDamit wir unser Geld anlegen können, brauchen wir eine Bank. In der heutigen Zeit bietet sich eine Direktbank an, da diese oftmals bessere Konditionen bietet als eine Filialbank. Allerdings muss man dann auf die persönliche Beratung vor Ort verzichten.

Eine genaue Empfehlung zu welcher Direktbank ihr gehen sollt, will ich hier nicht machen. Dennoch möchte ich dir eine kleine Checkliste an die Hand geben, anhand derer du deine Wahl treffen kannst:

  • Gibt es Wechselprämien?
  • Kostet der Depotunterhalt Geld?
  • Wie hoch sind die Gebühren beim Kaufen von Aktien oder Fonds/ETFs
  • Wie teuer ist ein Sparplan?
  • Wie groß ist die Auswahl der Fonds/ETFs
  • Gibt es kostenfreie Sparpläne (Aktionssparpläne)?

Häufig gibt es zum Depot ein Giro- bzw. ein Tagesgeldkonto noch obendrauf, welches ihr benutzen könnt. Für mich haben aktuell ComDirect und die Onvista Bank das beste Angebot. Dies ist natürlich von eurem Anlageverhalten abhängig und kann sich natürlich jederzeit ändern.

6. Langfristig investieren … wie und in was?

6 Schritte - langfrist investieren mit ETFsIch vertrete die Meinung, dass investieren möglichst schnell, einfach und gut diversifiziert sein soll. Deswegen empfehle ich dir an dieser Stelle ETFs zum langfristigen Vermögensaufbau.

Was ist ein ETF?

Exchange-Traded Funds, kurz ETFs, sind börsennotierte Fonds, die einen bestimmten Index abbilden. Das heißt, dass ein ETF die gleiche Performance wie der zugrundeliegende Index zeigt. Ein bekannter Index ist z.B. der DAX, welcher 30 Aktien enthält. Steigt nun der DAX um 5%, so steigt auch der DAX-ETF um 5% und umgekehrt. Weitere bekannte Indices sind der MSCI World, welcher ca. 1600 Aktien aus 23 Industrieländern enthält oder der MSCI Emerging Markets, welcher ca. 850 Aktien aus 24 Schwellenländern enthält. Je mehr Aktien ein Index enthält, desto besser ist er diversifiziert.

Welche ETFs empfiehlst du mir?

Ich rate dir die Auswahl der ETFs einfach zu gestalten. Maximal zwei ETFs: So investiere ich zu 75% in einen MSCI World ETF und zu 25% in einen MSCI Emerging Markets ETF. Viele Anbieter bieten diese ETFs an, dabei ist es für Einsteigern im Prinzip egal welchen Anbieter man wählt. Ich empfehle dir folgenden Artikel zu lesen: Vermögensaufbau mit ETFs – die Allzweckwaffe.

Wie kann ich in ETFs investieren?

Prinzipiell hast du zwei Möglichkeiten: sofort Anteile kaufen oder einen Sparplan einrichten. Nehmen wir an du hast 10 000 Euro und möchtest diese nun anlegen:

Methode 1: Du kaufst direkt MSCI World ETF-Anteile im Wert von 7500 Euro (75%) und MSCI Emerging Markets ETF-Anteile im Wert von 2500 Euro (25%). Diese Methode bietet sich an, falls einen größeren Betrag übrig hast und ihn sofort investieren möchtest.

Methode 2: Du legst einen Sparplan, welcher automatisiert in bestimmten Zeitintervallen (monatlich, vierteljährlich etc.) für einen festgesetzten Betrag ETF-Anteile kauft. Beispielsweise kannst du jeden Monat Anteile im Wert von 300 Euro MSCI World und 100 Euro MSCI Emerging Markets kaufen lassen. So dauert es dann 25 Monate bis 10 000 Euro investiert sind. Diese Methode bietet sich an, wenn du zurzeit keinen großen Geldbetrag übrighast, aber dennoch einen Teil deiner monatlichen Einkünfte investieren möchtest.

Ich hoffe ich konnte dir etwas unter die Arme greifen. Einen letzten Tipp möchte ich dir noch geben:

Es ist Zeit, fang endlich an deine finanzielle Zukunft zu gestalten. Nur wer losgeht, kommt auch an! Verbringe nicht zu viel Zeit mit dem Planen welcher ETF der günstigste oder welche Bank ist die beste ist. Es gibt keine perfekte Lösung. Suchst du danach, so zögerst du zu lang und verschwendest wertvolle Zeit. Passend dazu ein Zitat von Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz, preußischer General und Militärtheoretiker:

Der größte Feind eines guten Plans ist der Traum eines Perfekten

Martin
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