Er ist dein stärkster Verbündeter auf dem Weg zum großen Vermögen. Aber es geht nicht nur um Zahlen, sondern auch um deinen eigenen Wert.

Das ist der Zinseszins!

Diese Antwort soll Albert Einstein auf die Frage, welches die stärkste Kraft im Universum sei, geantwortet haben. Leider handelt es sich hierbei wohl um ein Falschzitat, welches Einstein untergemogelt wurde. Auch wenn er es nicht gesagt hat, so ändert es nichts an der eigentlichen Aussage: Der Zinseszins-Effekt ist eine Macht!

Die Weizenkornlegende

In Indien lebte einst der König Sher Khan, welcher sein Land in Not und Elend regierte. Eines Tages kam ein weiser Mann und zeigte ihm seine Erfindung, ein Spiel, welches sich später zum heutigen Schach entwickeln sollte. In diesem Spiel bestehend aus 64 Feldern, gilt der König als wichtigste Figur, welche allerdings ohne seine Bauern nicht gewinnen kann. Der König war beeindruckt von diesem höchst taktischen Spiel. Er ließ es im ganzen Land verteilen und fing fortan an, seine Untertanen besser zu behandeln.

Als Dank fragte er den Erfinder, was er als Belohnung haben möchte, er könne ihm jeden Wunsch erfüllen. Der Erfinder überlegte kurz und sagte: ich wünsche mir ein Weizenkorn auf dem ersten Feld. Die doppelte Menge, also zwei Weizenkörner, auf dem zweiten Feld und davon wieder das doppelte, also vier Weizenkörner, auf dem dritten Feld und so weiter. Der König lachte und sagte: mehr verlangst du nicht? Diesen bescheidenen Wunsch werde ich dir erfüllen. Die Berater des Königs lachten, schließlich hätte der Erfinder auch mehrere Säcke Weizen, Gold oder gar Edelsteine erhalten können.

Der Erfinder verließ den Thronsaal, um am nächsten Tag seine Belohnung abzuholen. Am nächsten Morgen fragte der König seine Berater, ob der Erfinder seinen Weizen erhalten hätte. Die ermüdeten Berater erklärten dem König, dass es nicht genug Weizen in den Kornkammern des gesamten Landes gibt. Der König reagiert verdutzt. Wie kann das sein, wieviel Körner sind es denn? Es sind 18.446.744.073.709.551.615 (ca. 18,45 Trillionen) Körner.

Der König fängt an herzhaft zu lachen, lässt den Erfinder zu sich kommen und stellt ihn sofort als seinen neuen Berater und Hofmathematiker ein.

Die Moral von der Geschicht…

… exponentielles Wachstum liegt uns nicht. Aber warum fällt es uns so schwer diesen Effekt zu begreifen? Ganz einfach: die Evolution. Lineares Wachstum verstehen wir sehr gut. Alles im Leben unserer Vorfahren hat sich linear verhalten. Mit zwei Mammuts konnte man doppelt so viele Menschen ernähren, wie mit einem. Wer doppelt so schnell läuft, schafft die doppelte Strecke in der gleichen Zeit. Lineares Denken liegt uns also im Blut.

Der einfache Zins

Hier wird’s etwas mathematisch, aber keine Angst, es ist nicht allzu schwer. Zunächst möchte ich kurz den einfachen Zins erklären. Nehmen wir ein Beispiel von 100 €, welche mit 3 % verzinst werden. Die Formel für die Berechnung des Kapitals nach n Jahren Kn mit einem einfachen Zins ist unten dargestellt. Das Startkapital K0 wäre in diesem Beispiel 100 € und der Zinssatz p 0,03 (entspricht 3 %).Einfacher Zins

Legst du das Geld für ein Jahr an, so hast du nun ein Kapital von 103 € (100 € Startkapital + 3 € Zinsen). Diese erwirtschafteten 3 Euro hebst du nun vom Konto ab und kaufst dir damit einen Döner (realistisches Beispiel). Für das nächste Jahr hast du nun wieder 100 € als Startkapital und du erhältst erneut 3 € Zinsen. So geht das jedes Jahr. Immer bekommst du 3 € Zinsen und gibts sie aus.

Dieses Vorgehen, das Verkonsumieren deines Zinses, ist natürlich nicht hilfreich für einen Vermögensaufbau. Deswegen wirst du deine erwirtschafteten Zinsen nicht vom Konto abheben, sondern dort weiter für dich arbeiten lassen. Und da sind wir nun, der Zinseszins.

Die Zinseszins-Wirkung

Für den Zinseszins müssen wir unsere Formel von oben um die Jahre der Geldanlage ergänzen. Die Anzahl der Jahre n wird als Potenz hinter der Klammer eingefügt. Nun haben wir ein exponentielles Wachstum.

ZinseszinsKommen wir auf unser Beispiel von oben zurück. Statt die „gewonnenen“ Zinsen auszugeben, lassen wir sie auf dem Konto liegen, reinvestieren sie also. Damit haben wir natürlich im ersten Jahr genauso viele Zinsen (3 €), denn bei n=1 ergibt sich die Formel des einfachen Zinses. Im zweiten Jahr hast du nun 103 €, welche mit 3 % verzinst sind. Das ergibt dann schon 106,10 €. Diese werden im anschließenden Jahr verzinst, welches dann 109,30 € ergibt. Und so geht es weiter und weiter. Genau das alles steckt in der Zinseszinsformel drin.

Schauen wir uns das ganze Mal etwas genauer an. Wir betrachten den Fall, dass du 10 000 € verzinst für 40 Jahre anlegst. Du hast 6 Produkte zur Auswahl, welche dir 1 % bis 8 % Zinsen pro Jahr anbieten. Du entnimmst kein Geld, bis diese 40 Jahre vorbei sind. Wie sich die einzelnen Produkte entwickeln, kannst du der Grafik und der Tabelle unten entnehmen.

Jahre 1 % 2 % 3 % 4 % 6 % 8 %
1 10 100 € 10 200 € 10 300 € 10 400 € 10 600 € 10 800 €
5 10 510 € 11 041 € 11 593 € 12 117 € 13 382  € 14 693 €
10 11 046 € 12 190 € 13 439 € 14 802 € 17 908 € 21 589 €
20 12 202 € 14 860 € 18 061 € 21 911 € 32 071 € 46 609 €
30 13 479 € 18 113 € 24 273 € 32 434 € 57 435 € 100 627 €
40 14 889 € 22 080 € 32 620 € 48 010 € 102 857 € 217 245 €

 

Es ist zu erkennen, dass mit längerer Anlagedauer und steigendem Zinssatz das ersparte Kapital regelrecht explodiert. Bereits nach 5 Jahren sieht man schon große Unterschiede. Mit 1 % Zinsen ist das Kapital gerade mal auf mickrige 10 510 € angestiegen, während bei 4 % und 6 % bereits 12 117 € bzw. 13 382 € vorhanden sind.  Bei 8 % (durchaus machbar mit Aktien) ist das Kapital schon auf fast 15 000 € angestiegen, das ist eine Steigerung von fast 50 %! Schau dir die weiteren Zahlen an, sie sprechen eine klare Sprache.

Viel komplexer wird die Rechnung für regelmäßige Sparraten, welche verzinst werden. Regelmäßige Sparraten müssen z.B. bei Aktien- und Fonds-/ETF-Sparplänen beachtet werden. Dafür, und für weitere Beispiele, möchte ich gerne auf die Rechner von Zinsen-berechnen verweisen.

Die 72er-Regel

Hat man keinen Taschenrechner oder einen Computer zur Hand, kann die 72er-Regel Abhilfe schaffen. Mit dieser Faustformel ist es sehr einfach möglich abzuschätzen, wieviel Jahre (t) eine verzinsliche Kapitalanlage benötigt, um sich zu verdoppeln. Außerdem kann man auch abschätzen, wie hoch der Zinssatz (p) sein muss, um das Kapital in einer bestimmten Zeit zu verdoppeln.

Nehmen wir folgendes Beispiel: du hast dein Kapital mit einem Zinssatz von 3 % (p) angelegt, so dauert es 24 Jahre, bis du dein Kapital verdoppelt hast. Das dauert dir natürlich zu lange, deswegen möchtest du wissen, wie hoch der Zinssatz sein müsste, damit du die Verdopplung in 12 Jahren erreichst. Hierbei ergibt sich ein Zinssatz von optimistischen 6 %. Solche hohen Zinssätze sind natürlich zurzeit mit Zinsprodukten nicht zu erreichen, mit z.B. Aktien, Fonds, ETFs allerdings schon (hierbei spricht man von Rendite, statt von Zinsen).

Zinseszins bei „Nicht-Finanzen“

Diesen Punkt möchte ich hier nochmal hervorheben. Zinseszins gibt es auch nicht monetär, ich nenne ihn den persönlichen Zinseszins. Hierbei geht es um Investitionen in dich selbst, in dein Wissen und deine Fähigkeiten (Stichwort Humankapital). Den persönlichen Zinseszins kannst du z.B. durch das Lesen von Büchern, Hören von informativen Podcasts, Besuchen von Seminaren, und Lernen von neuen Fähigkeiten oder Sprachen. Mit jedem Schritt öffnen sich weitere Türen für noch mehr Entwicklungspotenzial und je früher ihr in euer Persönlichkeitsvermögen investiert, desto mächtiger wird der Zinseszins-Effekt. Eine Buchauswahl von mir, findest du hier.

Natürlich gehört auch hier das Thema Gesundheit dazu. In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist. Alles Geld oder Wissen auf der Welt bringt dir nichts, wenn du nicht gesund bist. Deswegen gehört die Gesundheit zu den wichtigsten Gütern, die du hast. Darum solltest du alles dafür tun gesund zu bleiben. Investitionen in deine Gesundheit liefert dir ein unabhängigeres Leben und schenkt dir unter Umständen weitere glückliche Lebensjahre.

Besonderes Augenmerk möchte auch auf zwischenmenschliche Beziehungen legen, neudeutsch auch Networking genannt. Ein Kaffee auswärts im Café um die Ecke oder das gemeinschaftliche Bierchen (oder Cocktails) in der Bar sind auch eine Investition. Gute soziale Kontakte (umgangssprachlich Vitamin B) spielen in der heutigen Welt eine sehr große Rolle. Viele hochrangige Jobs oder lukrative Investitionsmöglichkeiten werden „unter der Hand“ an Bekannte vergeben bzw. vorgestellt. In Freundschaften und Bekanntschaften zu investieren lohnt sich also!

Fazit

Lass dein Geld für dich arbeiten und nutze die enorme Macht des Zinseszinses. Je länger du dein Geld anlegen kannst, desto krasser ist der Unterschied, selbst bei „niedrigen“ Zinsen. Was für Zinsen gilt, gilt natürlich auch für Rendite, Dividenden oder andere Geldströme. Beschränke dich aber nicht nur auf Zahlen, sondern investiert auch in dich und dein Humankapital. So eröffnen sich dir ungeahnte Möglichkeiten in der Zukunft (auch um mehr zu verdienen).

Martin
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